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Volker Ter Haseborg
Das war eine sehr kurzweilige Vernehmung heute - in der ich wieder mal festgestellt habe, was für ein irres Unternehmen Wirecard war. 
Ich hoffe, Sie haben auch etwas mitgenommen. 

Vielen Dank fürs Mitlesen - und bis bald!

Und: Hier noch ein Buchtipp... :-)
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Volker Ter Haseborg
Hat sie mit Markus Braun über den überraschenden Treuhänder-Wechsel gesprochen? Weiß sie nicht mehr. 
Wie hat er sich zu den Treuhandkonten verhalten? "Es fällt mir schwer, das zuzuordnen. Für mich gab's die immer." 

Noch kurz vor der Insolvenz habe Braun gesagt, er werde mit den Vorständen der Banken, auf denen die Treuhand-Milliarden liegen sollten, telefonieren. Auch Kontakt zum Treuhänder habe es laut Braun gegeben. 
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Volker Ter Haseborg
Aus dem Protokoll der Vernehmung lässt sich schließen, dass Bellenhaus gesagt hat, dass die Rechtsabteilung in die TPA-Verträge einbezogen wurde - Görres hat dem laut Protokoll widersprochen. Daran kann sich Görres heute nicht mehr erinnern. 
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Volker Ter Haseborg
Im Gespräch hätten die KPMG-Leute Bellenhaus die TPA-Abrechnungen vorgehalten. Er habe erklärt, dass die Abrechnungen in Absprache mit den TPA-Partnern erstellt worden seien. In einem Fall habe ein Betrag nicht übereingestimmt. Bellenhaus habe gesagt, dass das schon mal vorkommen könne. Die TPA-Partner hätten das im Nachhinein als valide dargestellt. Habe Bellenhaus gesagt, dass man die Händler hinter Al Alam & Co. kennt? Daran kann sich Görres nicht erinnern.
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Volker Ter Haseborg
KPMG habe Marsaleks Vertrauter Dagmar S. nicht vertraut, sagt Görres.
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Volker Ter Haseborg
Dagmar S. schickte Görres am Tag vor der Bellenhaus-Vernehmung eine Datei mit dem Titel "Agenda Herr Bellenhaus". Daran könne sie sich nicht mehr erinnern. Gab es sonst Instruktionen? Ja: "Dass es sachlich bleibt das Ganze", sagt Görres. 
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Volker Ter Haseborg
Es war Alexander von Knoop, der Görres den Auftrag gab, Bellenhaus zu begleiten. Angeblich, weil KPMG weder Marsalek noch dessen Mitarbeiterin Dagmar S. dabei haben wollte. Warum? Ihre Erinnerung ist, dass man beiden nicht vertraut habe, sagt Görres. "Weil Herr Bellenhaus schon eine Schlüsselfigur in der Aufklärung für KPMG war." Und man nicht wollte, dass "eine Kommunikation stattfindet, die nicht unabhängig ist". DAs sei ein Rückschluss, den sie jetzt ziehe. 
In Bellenhaus' Vernehmung sollte es um die TPA-Abrechnungen gehen. Das habe ihr Dagmar S. mitgeteilt. 
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Volker Ter Haseborg
Warum sie bei Bellenhaus' Vernehmung dabei war? Weil immer ein zweiter aus dem Unternehmen den Befragten begleitet. Und es habe keine Alternative zu ihr gegeben. 
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Volker Ter Haseborg
Wurden TPA-Verträge bei ihr angefordert in der Untersuchung? Nicht persönlich bei ihr, sagt Görres. In Vernehmungen hat sie gesagt, dass Verträge aus dem TPA-Bereich mühsam von ihrer Abteilung herausgesucht worden seien. 
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Volker Ter Haseborg
Jetzt geht es um die KPMG-Sonderuntersuchung. Görres sagt, dass sie einmal dabei war, als Oliver Bellenhaus von den Prüfern befragt worden ist. Bei der Beauftragung sei sie nicht involviert gewesen. Wer die Untersuchung veranlasst hat? Ihres Wissens nach der Aufsichtsrat. 
"Ich habe mit der KPMG-Untersuchung eigentlich nichts mehr zu tun gehabt."
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Volker Ter Haseborg
Pause ist auch schon zu Ende. Endspurt - eine halbe Stunde dauert es heute noch, sagt der Richter. 
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Volker Ter Haseborg
Födisch will wissen, ob es auch eine Abstimmung mit Braun hierzu mit Görres gab. Sie kann sich nicht erinnern. Födisch zeigt eine Chat-Nachricht, die Görres damals an Braun geschickt hat - es ist genau die Frage, zu der sie Stellung nehmen sollte, die ihr "in die Feder diktiert" wurde. 
Gleich wird Födisch dazu weiter fragen. Nochmal Pause. 

Görres verwickelt sich hier in Widersprüche. Es geht um die Liste, die ein Mitarbeiter aus der Abteilung von von Erffa erstellt hatte - in ihr waren die (mutmaßlich erfundenen) Drittpartner wie Al Alam enthalten. Diese Liste war an die Financial Times geleaked worden - die Berichterstattung läutete das Ende von Wirecard ein. 

Görres sollte damals Stellung zu der Liste beziehen, und zwar gegenüber Softbank, die bei Wirecard investieren wollten. Sie habe Softbank gesagt, dass es eine solche Liste nicht gebe. Und sie hat gesagt, dass sie mit dem Von-Erffa-Mitarbeiter auf die Liste angesprochen hat - dieser habe herumgedruckst. 

Irgendetwas passt da nicht. Selbst Staatsanwältin Inga Lemmers hat vorhin geschimpft. Hat gesagt, Görres laufe Gefahr, als Gehilfin zum Betrug dazustehen. 
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Volker Ter Haseborg
Ob der Mitarbeiter, der die Liste mit den TPA-Kunden erstellt hatte, befragt wurde? Das wollten die Softbank-Leute dann von Görres wissen. Sie antwortete, dass man die Liste nicht gefunden habe (und antwortete nicht auf die Frage). Die Antwort sei ihr vorgegeben worden, "in die Feder diktiert worden", sagt Görres. Von wem? Vermutlich von Marsalek, sagt Görres. 
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Volker Ter Haseborg
Hatte Marsalek vor dem Termin um ein Vorgespräch gebeten? "Weiß ich nicht mehr", sagt Görres. In einem Gruppen-Chat innerhalb der Juristen steht: "Jan will ein Meeting vorab haben, damit wir den Fragenkatalog für heute Nachmittag durchgehen", schreibt ein Mitarbeiter. "Ich kann mich an das Meeting nicht erinnern. Es tut mir leid", sagt Görres. Wurde die geleakte Liste mit den TPA-Partnern besprochen? "Ganz sicher nicht, daran würde ich mich erinnern." 
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Volker Ter Haseborg
Die Liste, die Marsalek damals Softbank vorgelegt hatte, hatte nichts mit der anderen (in der die TPA-Partner enthalten waren) zu tun, sagt Görres.
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Volker Ter Haseborg
Intern hat es jedoch eine Liste der wirklich wichtigsten Partner von Wirecard gegeben. Diese Liste wurde an die FT geleaked. Gab es die Liste? Was hatte es damit auf sich? Wieder kann Görres nicht helfen.
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Volker Ter Haseborg
War die Kundenliste, die Softbank bekommen hat, von Marsalek gefälscht worden? Wer wusste davon? Mit wem hat Görres damals Kontakt deshalb gehabt? Görres kann nicht wirklich weiterhelfen. 
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Volker Ter Haseborg
Jetzt wird's hier ungemütlich für Frau Görres. Weil sie sich an vieles nicht mehr erinnern kann, wird Födisch langsam sauer.
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Volker Ter Haseborg
Die Liste sei ein Problem gewesen. "Insgesamt war es bei uns immer schwierig, die Kundenlisten - vor allem nach Umsatz - irgendwie rauszuziehen." Geschäftsgeheimnisse spielten eine Rolle. "Allgemein war es von Herrn Braun und Herrn Marsalek nicht gewünscht, dass solche Daten nach draußen gehen."
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Volker Ter Haseborg
Jetzt geht es um den Softbank-Deal. Zum Hintergrund: Der japanische Investor Softbank hatte 2019 angekündigt, 900 Millionen Euro in Wirecard investieren zu wollen. Softbank wollte aber von Wirecard die 100 wichtigsten Kunden haben. Eine entsprechende Liste habe Marsalek Softbank gegeben, zwei bis drei Seiten auf Din A4. Tauchten auch Drittpartner wie Al Alam da auf? "Ich glaube nicht", sagt Görres. Sie habe aber die Liste nicht genau angeschaut. 
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Volker Ter Haseborg
Und weiter geht's. 
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Volker Ter Haseborg
15 Minuten Pause.
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Volker Ter Haseborg
Die Vorgänge in Singapur waren dafür verantwortlich, dass der gesamte Wirecard-Skandal aufflog. Daten zum Drittpartnergeschäft wurden zur FT geleaked. 
Bellenhaus soll sich darüber aufgeregt haben und Görres' Abteilung dafür verantwortlich gemacht haben. Auch bei Görres landete eine Email, in der er sich über den zuständigen Compliance-Mann Daniel Steinhoff beschwerte. "Das war seine Meinung. Meine wäre es nicht gewesen", sagt Görres.
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Volker Ter Haseborg
"Soll ich oder willst Du Edo einfangen?", schrieb Görres damals an Maralek. "Ich rufe Edo gleich an", antwortete Marsalek.
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Volker Ter Haseborg
Zentrale Figur bei den Vorfällen in Singapur war der dortige Manager Edo Kurniawan, der später abgetaucht ist. Stephan von Erffa habe gefordert, dass man Kurniawan einen Anwalt zur Seite stellt, um ihn zu unterstützen, als dessen Name in der Berichterstattung auftauchte. "Eine besonders auffällige Situation war, dass wir nach Herrn von Erffas Meinung nicht schnell genug einen Anwalt für Herrn Kurniawan gefunden haben und einen Stuhl vom Boden aufgenommen und auf den Boden gedonnert hat." 
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Volker Ter Haseborg
Brauns Aussage, dass Compliance ein "Scheiß" sei, sei im ersten Gespräch im Jahr 2018 gefallen. 
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Volker Ter Haseborg
Marsalek habe den Prüfungsauftrag der externen Kanzlei (Rajah & Tann) eingeschränkt. Die Vorfälle sollten als lokales Ereignis heruntergespielt werden.
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Volker Ter Haseborg
Görres' Abteilung sollte sich intern um die Aufklärung der Vorwürfe kümmern - und wollte eine externe Kanzlei hinzuziehen. Sie sei dann im Mai 2018 zu Braun zitiert worden. Er habe unter vier Augen mit ihr sprechen wollen. Ob man wirklich eine externe Kanzlei brauche? Compliance soll sei nur störend. Schließlich habe man sich geeinigt, die externe Kanzlei fertigte dann einen Bericht an. Projektname: "Project Tiger".
Dann, als die FT im Januar 2019 über das Projekt berichtete, habe Braun zu ihr gesagt: "Das Projekt Tiger gibt es nicht." Sie habe entgegnet, dass es einen Ordner mit Daten dazu und sogar eine Präsentation gebe. Sie habe Brauns Aussage so verstanden, dass es das Projekt Tiger nicht zu geben hat. Was hat sie daraufhin gemacht? "Wahrscheinlich wutschnaubend den Raum verlassen." 
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Volker Ter Haseborg
Es geht jetzt um die Vorgänge in der Wirecard-Dependance in Singapur. Dort wurden munter Umsätze hin- und hergeschoben, Geschäfte vorgetäuscht - die FT hat das 2019 aufgedeckt. 
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Volker Ter Haseborg
Später habe man herausgefunden, dass Marsalek-Kumpel Henry O'Sullivan hinter dem EMIF-Fonds steckt, sagt Görres. Das sei in Zusammenarbeit mit externen Anwälten herausgekommen. "Finden wir das in den Ordnern?", fragt Födisch. "Wahrscheinlich", sagt Görres. Wenn es stimmt, was Frau Görres da gerade gesagt hat, wäre das neu. 
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